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Lohnbearbeitung: Prozessablauf in der SAP GUI

Nachdem wir uns in den vorherigen Beiträgen zur Lohnbearbeitung mit SAP intensiv mit dem für die Lohnbearbeitung notwendigem Customizing beschäftigt sowie die Stammdaten für Lieferant und Materialien angelegt haben, wollen wir uns in diesem Beitrag nun innerhalb der Lohnbearbeitung mit dem operativen Prozessdurchlauf in der SAP GUI beschäftigen und den Prozess von der Bestellung bis zum Wareneingang durchspielen.

Hier nochmal die Links zu den vergangenen Beiträgen:

 

Betrachtung des MRP-Laufs in der Lohnbearbeitung

 

Für unseren Durchlauf beginnen wir mit dem Bedarfstrigger für den MRP-Lauf, welcher aus verschiedenen Quellen stammen kann. Sei es das Unterschreiten des Lagermeldebestandes, ein Planprimärbedarf oder ein Vertriebsauftrag. In unserem Beispiel haben wir einen Planprimärbedarf von 10 Musterboxen angelegt und sehen uns nun das Ergebnis mit dem MRP-Lauf dazu an:

Für das Kopfmaterial hat der MRP-Lauf eine Bestellanforderung angelegt und dabei über das Sonderbeschaffungskennzeichen 30 (SoBsL) den Positionstypen L für die Lohnbearbeitung ermittelt.

Ergebnis des MRP-Laufes für das Kopfmaterial P4Y-M100-20

 

Diese Bestellanforderung können wir nun in eine Bestellung an den Lohnbearbeiter umwandeln.

Bestellung aus der vom MRP-Lauf angelegten BANF. Aus dem SoBsL 30 wurde der Positionstyp L ermittelt

 

Am Beispiel des Beistellmaterials sehen wir die Auflösung der Stückliste des Kopfmaterials durch den mehrstufigen MRP-Lauf. Hier wurde nun zunächst im Dispobereich des Lohnbearbeiters der Bedarf für die Beistellkomponenten erkannt und entsprechend des SoBsLs 45 des LB-Dispobereiches aus dem Materialstamm eine Umlagerungsreservierung aus dem Werksdispobereich erzeugt:

Ergebnis des MRP-Laufes für den Dispobereich des Lohnbearbeiters für eine Beistellkomponente

 

Der Versand der Beistellmaterialien an den Lohnbearbeiter mit der ME2ON

Sehen wir uns nun das Lohnbearbeitungs-Cockpit in der SAP GUI an, dem Herzstück des Lohnbearbeitungsprozesses. Sie erreichen dies entweder über den Menüpfad Logistik – Materialwirtschaft – Einkauf – Bestellung – Auswertung – Lohnbearbeitungs-Cockpit oder über die Transaktion ME2ON. Mit dieser Transaktion erfolgt die Bestandsüberwachung sowie der Versand der notwendigen Beistellmaterialien an den Lohnbearbeiter.

Die Einstiegs- und Selektionsmaske des Lohnbearbeitungs-Cockpits, Transaktion ME2ON

 

Nachdem wir im Einstiegsbildschirm unseren Lohnbearbeiter angegeben haben, erhalten wir folgendes Bild welches wir uns nun näher anschauen wollen:

Das Lohnbearbeitungs-Cockpit nach unserer Bestellung des Kopfmaterials

 

Nachdem wir zuvor das Kopfmaterial beim Lohnbearbeiter bestellt haben, sehen wir hier nun die aus der Stücklistenauflösung ermittelten Beistellmaterialien, welche der Lohnbearbeiter für die Fertigung des Kopfmaterials benötigt und wir diesem nun zusenden wollen.

Wir sehen hier zum einen die jeweilige bedarfsverursachende Bestellung des Kopfmaterials im Bereich „Bedarfe über LB-Bestellung“ und können mit einem Doppelklick auf die Bestellnummer in diese abspringen. Darüber hinaus sehen wir die vom MRP-Lauf als Bedarfsdeckung generierte Umlagerungsreservierung, über welche wir nun die Lieferung der Beistellmaterialien anlegen.

Dazu werden die Zeilen der Umlagerungsreservierungen markiert und anschließend mit STRG+F3 oder unter „Mehr“ – „Lieferung anlegen“ in die Erstellung der Auslieferung abgesprungen.

Lieferungsanlage mit der Transaktion ME2ON

 

Hier sind die zu versendenden Materialien zu markieren und können über „Beleg anlegen“ unmittelbar als Auslieferung zum Versand beauftragt werden.

Nach der Erstellung der Auslieferung wird diese als „Lieferung mit offenem Warenausgang“ im Lohnbearbeitungscockpit angezeigt. Über einen Doppelklick kann dabei zur Anzeige oder Änderung der Auslieferung in die Transaktion VL02N abgesprungen werden.

 Das Lohnbearbeitungs-Cockpit nach der Anlage der Lieferung

 

Nach der Erzeugung der Auslieferung wird diese nun im Lager vollzogen und zuletzt der Warenausgang gebucht. Nach dem Buchen des Warenausgangs wird der Bestand vom Werksdispobereich auf den Dispobereich des Lohnbearbeiters umgebucht und erscheint ab dann in der ME2ON als Gesamtlieferantenbeistellbestand.

Das Lohnbearbeitungscockpit nach dem Buchen des Warenausgangs des Beistellmaterials

 

Die ME2ON weißt nun, nach dem Buchen des Warenausgangs, die Bestände im Gesamtlieferantenbeistellbestand und somit im Dispobereich des Lohnbearbeiters aus. Der Lohnbearbeiter fertigt nun daraus das bestellte Material und sendet dies an uns zurück.

 

Der Wareneingang des bestellten (Kopf-)Materials

Nachdem der Lohnbearbeiter wie oben dargestellt die zur Veredelung notwendigen Materialien erhalten und das Material hergestellt hat, erfolgt nun die Anlieferung und der Wareneingang des Kopfmaterials.

Dazu wird der Wareneingang wie der einer gewöhnlichen Bestellung vollzogen. Wir wollen uns jedoch hier noch eine letzte Besonderheit des Prozesses ansehen, der retrograde Verbrauch der beigestellten Materialien beim Buchen des Wareneingangs des Kopfmaterials.

Der Materialbeleg zum Wareneingang des Kopfmaterials der Lohnbearbeitung mit Darstellung des retrograden Verbrauchs der Beistellmaterialien

 

In obiger Grafik sehen wir zum einen in der ersten Zeile den Wareneingang in das Lager mit der Bewegungsart 101. In den weiteren Zeilen sehen wir nun weiter die Buchung des Verbrauchs des Lieferantenbeistellbestandes, welcher hier einen Sonderbestand mit dem Sonderbestandskennzeichen O darstellt. Dadurch wird der Bestand an Beistellmaterialien im LB-Dispobereich aktualisiert und das Kopfmaterial im Werksdispobereich eingebucht.

 

Fazit

 

Wir durften Ihnen in diesem Beitrag ausführlich die Lohnbearbeitung mit ihrem Prozessablauf in der SAP GUI darstellen und Ihnen die wichtigsten Begrifflichkeiten und Funktionen näherbringen.

Mit dem Lohnbearbeitungscockpit und den Dispobereichen für den Lohnbearbeiter stehen unter S/4HANA zwei starke Module zur Disposition und Überwachung des Lohnbearbeitungsprozesses zur Verfügung. Insgesamt lässt sich dadurch der Prozess optimal mit SAP darstellen und praxistauglich organisieren.

Im vierten und letzten Teil unserer Serie zur Lohnbearbeitung möchten wir Ihnen noch den Prozess mit dem FIORI-Launchpad näher darstellen.

Sollten Sie bis dahin bereits Fragen haben, zögern Sie nicht, uns zu kontaktieren, wir helfen gerne weiter!

Andreas Nebel | SAP Developer
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